In Deutschland entstehen jährlich rund 200 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle. Obwohl ein Großteil der mineralischen Abfälle verwertet wird, verursacht der Bausektor erhebliche Treibhausgasemissionen. Etwa elf Prozent der deutschen Emissionen entfallen auf die Herstellung, den Transport und die Entsorgung von Baustoffen. Diese sogenannte graue Energie geht bei einem Abriss verloren. Zirkuläres Bauen setzt daher bereits bei der Planung an, um den Wert von Materialien langfristig zu erhalten.
Der Erhalt von Bestandsgebäuden
Der effektivste Weg zur Ressourceneinsparung ist die Weiternutzung bestehender Gebäude. Ein Beispiel ist das „Haus des Tourismus“ in Stuttgart, das durch den Erhalt der Struktur rund 30 Prozent CO2 einsparte. Beim Umbau genutzte Holzelemente vermieden weitere 500 Tonnen CO2. Auch beim Schulzentrum in Königheim wurden Fassadenteile und Betonfertigteile demontiert, aufbereitet und wiederverwendet.
Dieser Ansatz lässt sich auch auf die Gebäudetechnik übertragen. Statt Heizsysteme komplett zu ersetzen, können bestehende Anlagen durch eine Wärmepumpe zu einem hybriden System erweitert werden. Dies schont Ressourcen und senkt die Emissionen im Betrieb.
Rückbaufähige Planung bei Neubauten
Ist ein Neubau unvermeidbar, sollte dieser rückbaufähig geplant werden. Ein Holzparkhaus in Wendlingen zeigt, wie dies gelingt: Die Konstruktion ist gesteckt und geschraubt, sodass die Materialien später sortenrein getrennt werden können. Zudem ist das Gebäude so konzipiert, dass es flexibel in Wohn- oder Büroraum umgewandelt werden kann. Digitale Materialpässe und Plattformen wie Madaster oder das Urban Mining Kataster helfen dabei, verbaute Ressourcen zu dokumentieren und für die Zukunft nutzbar zu machen.
Die Hierarchie der Wiederverwendung
In der Kreislaufwirtschaft gilt eine klare Priorisierung, um den CO2-Ausstoß zu minimieren:
- Reduce: Abfallvermeidung durch flexible Planung und den Erhalt von Substanz.
- Re-Use: Die direkte Wiederverwendung von Bauteilen in ihrer ursprünglichen Funktion.
- Repair: Gezielte Reparatur defekter Komponenten.
- Refurbish: Aufbereitung und Modernisierung von Bauteilen.
- Recycle: Die stoffliche Verwertung als letzte Option, um Primärrohstoffe einzusparen.
Zirkularität in der Gebäudetechnik
Auch die technische Gebäudeausrüstung muss in den Kreislauf integriert werden. Moderne Wärmepumpen nutzen Umweltenergie hocheffizient. Digitale Tools wie Energiemanagementsysteme und Fernoptimierung verbessern die Effizienz im laufenden Betrieb. Am Ende des Lebenszyklus sorgen strukturierte Rücknahmesysteme dafür, dass wertvolle Metalle und Kunststoffe aus Altgeräten fachgerecht recycelt werden und im Stoffkreislauf verbleiben.
Wirtschaftliche Treiber und Regulierung
Steigende Rohstoffpreise und gesetzliche Vorgaben wie die EU-Taxonomie und ESG-Kriterien erhöhen den wirtschaftlichen Druck. Gebäude mit dokumentierten, wiederverwendbaren Materialien bieten eine höhere Wertstabilität und minimieren finanzielle Risiken bei der Entsorgung. Zirkuläres Bauen entwickelt sich somit von einer ökologischen Notwendigkeit zu einer zukunftsfähigen Investitionsstrategie.
Quelle: https://www.vaillant.de/21-grad/bewusst-und-sein/bauen-im-kreislauf-wie-gebaeude-zu-materiallagern-auf-zeit-werden/


